Road Show O&U

Hands-on für die Youngsters O & U !

Am 26. September 2013 fand am Universitätsklinikum Münster die erste Roadshow O & U statt. Das neue Kursformat  des Jungen Forums O & U soll Studierenden das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie näher bringen.

Das Junge Forum der DGOU hat einige Konzepte ins Leben gerufen, um aktiv den studentischen Nachwuchs zu fördern und für die muskuloskelettale Chirurgie zu begeistern. Um Medizinstudierende dauerhaft für die Orthopädie und Unfallchirurgie zu gewinnen, muss man sie rechtzeitig auf die Attraktivität dieses Faches aufmerksam machen. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum über die Zukunftspläne der Nachwuchsmediziner zeigt, dass unter annährend 3800 befragten Medizinstudenten während ihres Studiums im ersten Semester noch 34,4 Prozent in ein chirurgisches Fach gehen wollen. Nach der PJ-Zeit streben jedoch nur noch 16,5 Prozent ein chirurgisches Fach an. Doch wann genau fällt die Entscheidung für eine chirurgische Laufbahn? Eine Umfrage des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) aus dem Jahr 2008 zeigt, dass etwa 18 Prozent der Ärzte die Entscheidung zur Wahl des Faches Chirurgie bereits in der Schule, 50 % während des Studiums und 32 erst nach dem Studium getroffen hatten. Die Umfrage zeigte auch, dass 20 Prozent der Entscheidungen für das Fach Chirurgie zufällig getroffen und 25 Prozent durch Vorbildwirkung beeinflusst wurden. Das Junge Forum der DGOU will deshalb den Nachwuchsmedizinern speziell während des Studiums mehr Einblicke in das breite Spektrum von O & U geben.

Seit 2009 findet jährlich im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie der Tag der Studierenden statt. Hier diskutieren der potentielle Nachwuchs mit Chefärzten und Ordinarien über Berufsalltag, Karriere- und Familienplanung und können im Rahmen von Hands-on-Kursen praktische Einblicke in unser Fach gewinnen. Eine weitere Nachwuchsveranstaltung für Studierende ist die Summer School der DGOU, die einmal jährlich für 30 Stipendiaten an zwei Tagen einen umfassenden Überblick in das Fach bietet und neben theoretischen Einblicken und Diskussionsforen in begleitenden Workshops Einblicke in die praktische Tätigkeit bietet. Der Erfolg der beiden Veranstaltungen zeigt die Attraktivität des Faches, ist jedoch auf spezielle Veranstaltungsorte und eine limitierte Teilnehmerzahl begrenzt.

Roadshow O & U
Um Medizinstudierende auch lokal auf die Attraktivität des Faches Orthopädie und Unfallchirurgie aufmerksam zu machen und noch mehr möglicherweise Interessierte flächendeckend zu erreichen, wurde eine eintägige Veranstaltung vom Jungen Forum entwickelt: die Roadshow O & U. Jeweils 40 Studierenden soll damit die Möglichkeit gegeben werden, Einblicke in die zahlreichen unterschiedlichen Aspekte unseres gemeinsamen Faches zu erlangen, verschiedene Untersuchungs- und Behandlungstechniken kennen zu lernen und mit Orthopäden und Unfallchirurgen ins Gespräch zu kommen. Ziel ist es, ein standardisiertes, evaluiertes eintägiges Kursformat zu entwickelt, dass mit überschaubarem personellen und finanziellenm Aufwand an jedem universitären Standort von den jeweiligen Kliniken vor Ort mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie durchgeführt werden kann, um an beliebigen Orten den Nachwuchs für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie zu begeistern.
Das Format soll zunächst an universitären Kliniken in Münster, Ludwigshafen/Heidelberg, Regensburg und Homburg in Zusammenarbeit mit den Orthopädischen und Unfallchirurgischen Kliniken vor Ort erprobt, evaluiert und optimiert werden.
Am 26.September 2013 fand nun die erste dieser Veranstaltungen am Universitätsklinikum Münster (UKM) statt. In Zusammenarbeit mit der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie und der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie des UKM wurde erstmalig 40 Teilnehmern während eines ganztätigen Kurses Studenten die Möglichkeit gegeben, Einblicke in die zahlreichen unterschiedlichen Aspekte unseres gemeinsamen Faches zu erlangen und aktiv verschiedene Untersuchungs- und Behandlungstechniken kennen zu lernen. Im Vorfeld wurde dazu ein Programm entwickelt, was sich an die erfolgreiche Summer School der DGOU anlehnt und versucht, in der Kürze der Zeit einen möglichst breiten Einblick in unser gemeinsames Fach zu werfen.

Inhalte des Kurses
Instruktoren und Referenten waren Kollegen aus Orthopädie und Unfallchirurgie vor Ort, die in den praktischen Übungen mit Hands-on in Kleingruppen Einblicke in Untersuchungs-, Operations- und Behandlungstechniken gaben. Dabei waren Kolleginnen und Kollegen verschiedener Altersstufen und Vertreter aus Reha- und Akutkliniken sowie der Niederlassung vertreten, die in den Diskussionen mit den Studierenden über verschiedene mögliche Tätigkeitsfelder, Arbeitsbedingungen und Zukunftsaussichten diskutierten und Fragen zu Vorstellungsgespräch, Karriereplanung, Familie und Beruf in der Orthopädie und Unfallchirurgie beantworteten. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Herrn Prof. Dr. Michael Raschke und dem Lehrbeauftragten Herrn Dr. Helmut Ahrens aus der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie des UKM,  gab Herr Dr. Matthias Münzberg, Leiter des Jungen Forums O&U einen Überblick über das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Anschließend erfolgte schon die erste von fünf praktischen Stationen, die in Rotation von allen Teilnehmern durchlaufen wurden und jeweils eine Stunde dauerten. Um die sehr unterschiedlichen Aspekte und die Bandbreite des Faches darzustellen, wurden hier sowohl operative Techniken am Kunstknochen und Originalimplantaten durchgeführt, als auch spezielle Untersuchungstechniken und manuelle Therapien aus dem Bereich der konservativen Orthopädie durchgeführt. Neben der Implantation von Hüft- und Kniegelenksendoprothesen konnten an Arthroskopietrainern die Arthroskopie am Kniegelenk unter realistischen Bedingungen geübt und am Kunstknochen die osteosynthetische Versorgung von Frakturen mittels Platten, Schrauben oder Fixateur externe durchgeführt werden. Die Ultraschalluntersuchung von Schultergelenk und Achillessehne sowie die Notfallsonografie des Abdomens übten die Studierenden an einer anderen Station. Ebenfalls wurden manuelle Untersuchungs- und konservative Behandlungstechniken demonstriert und gegenseitig angewendet. In den Diskussionen mit den Studierenden zeigte sich das besondere Interesse des Nachwuchses an aktuellen Themen unseres Faches wie den Arbeitsbedingungen und den Weiterbildungsmöglichkeiten sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Orthopädie und Unfallchirurgie. Das lokale Kursformat ermöglichte zudem, im Gegensatz zu anderen nationalen Formaten, spezielle lokale Schwerpunkte unseres Faches darzustellen und zu diskutieren und lokale Nachwuchsgewinnung zu betreiben.

Begleitend fand eine Evaluation der Veranstaltung und der einzelnen Stationen statt, um in der Pilotphase diese Kursformates das Programm zu optimieren und ein besonders ansprechendes Format zu entwickeln. Dabei zeigte sich eine durchgehend sehr positive Bewertung sowohl aller Stationen als auch der Inhalte und Darstellung des Faches Orthopädie und Unfallchirurgie. Einzelne Aspekte, die ein besonderes Interesse der Studierenden fanden, sollten auf Wunsch der Studierenden noch mehr abgebildet werden, wie die Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die nächste Roadshow findet an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit dem Department Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie des Universitätsklinikums Heidelberg am 23. November 2013 statt.  Ziel des Jungen Forums O & U ist es, bis Anfang/Mitte 2014 ein Kursformat entwickelt zu haben, was lokal umsetzbar ist und die Medizinstudierenden frühzeitig für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie hinführt.