Positionspapier Operieren in der Schwangerschaft

 

Einleitung und Kurzdarstellung:
Die Vereinbarkeit von Familie & Beruf wird auf vielen Ebenen diskutiert. Für bessere Arbeitsbedingungen bietet das Handbuch „Familienfreundlicher Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte – Lebensqualität in der Berufsausübung“ von Dr. Astrid Bühren und Dr. Annegret Schoeller, herausgegeben und abrufbar über die Homepage der Bundesärztekammer, einen guten Leitfaden. Was uns in der Chirurgie jedoch von den anderen ärztlichen Disziplinen unterscheidet ist die operative Tätigkeit!

Bereits mehr als 50% der aktiv chirurgisch tätigen Weiterbildungsassistenten sind weiblich (BDC-Umfrage 2013). Schwangere Ärztinnen in der Chirurgie sind also ein hochaktuelles Thema. Allerdings bestehen gerade bezüglich des Einsatzes schwangerer Ärztinnen große Unsicherheiten vor allem seitens der Arbeit- geber. Die Ärztinnen scheitern an der altertümlichen Auslegung des Mutterschutzgesetzes von 1952, in dem ein Umgang mit schneidenden und stechenden Instrumenten von vornherein ausgeschlossen wird, was jedoch im Mutterschutzgesetz nicht schriftlich fixiert ist. Die Ärztinnen werden unmittelbar nach Be- kanntgabe der Schwangerschaft aus dem OP verbannt und auf dem Abstellgleis „geparkt“. Eine sinnvolle Fortsetzung der Weiterbildung ist so nicht möglich. Bisher war es Chirurginnen deutschlandweit nur in Einzelfällen möglich ihre operative Tätigkeit während der Schwangerschaft fortzusetzen. Deshalb arbeiten wir an der Erstellung eines Positionspapiers „Operative Tätigkeit während der Schwangerschaft // Mutterschutzgesetz“.

Ziel ist es, den Arbeitgebern eine allgemein gültige Handlungsempfehlung zur Verfügung zu stellen, in der die aktuelle Rechts- und Datenlage aufgeführt ist und die Möglichkeit einer individuellen Gefährdungs- beurteilung vorgestellt wird. Schwangere Chirurginnen sollen so die Möglichkeit bekommen, sinnvoll vom Mutterschutz zu profitieren und trotzdem Fortschritte in ihrer beruflichen Laufbahn machen zu können. Es darf jedoch im Umkehrschluss nicht zu einer Ausnutzung durch den Arbeitgeber kommen, d.h. die Ärz- tin muss frei entscheiden können, ob sie während ihrer Schwangerschaft ihrer operativen Tätigkeit weiter nachgehen möchte. Unsere Ergebnisse sollen 2015 abschließend in Broschürenform zur Verfügung ste- hen.

Das Positionspapier stellt einen Meilenstein für alle zukünftigen Chirurginnen dar, die mit viel Ehrgeiz und persönlichem Engagement den Weg der Chirurgie beschritten haben. Es führt zu einem offeneren Um- gang mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie & Beruf und ermöglicht es, einen Knick in der beruflichen Karriere von Chirurginnen zu vermeiden.

Aktueller Stand und Projektplanung
Das Junge Forum der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) setzt sich bereits seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema Familie & Beruf auseinander. Es besteht eine eigene Sektion „Familie & Beruf“ unter der Leitung von Dr. med. Maya Niethard und ihrer Stellvertreterin Dr. med. Ste- fanie Donner. Beide konnten ihre operative Tätigkeit während ihrer Schwangerschaft nach einer individu- ellen Gefährdungsbeurteilung fortsetzen. Da das Thema alle chirurgischen Disziplinen gleichermaßen betrifft und um dem Projekt mehr Nachdruck zu verschaffen, erfolgt die Arbeit zusammen mit dem seit März 2014 in der DGCH implementierten Perspektivforum Junge Chirurgie, das Vertreter aller chirurgi- schen Fachrichtungen eint.

Bei den bisherigen Treffen wurden Arbeitsschwerpunkte herauskristallisiert und das gemeinsame Ziel formuliert. Das Positionspapier wird folgende Punkte und die entsprechende aktuelle Datenlage beinhal- ten:

  •   Übersicht über rechtliche Zuständigkeiten
  •   Narkoseführung bei schwangeren Operateuren
  •   Anpassung des OP-Umfeldes
  •   Einsatz von ionisierender Strahlung
  •   Immunitätsstatus der Schwangeren / Präoperatives Patienten-Screening
  •   Aktuelle Datenlage zum Infektionsrisiko bei operativer Tätigkeit
  •   Übersicht über Ansprechpartner beim Gewerbeaufsichtsamt
  •   Überblick über die Situation im europäischen AuslandEine entsprechende personelle Zuordnung zur Recherche ist erfolgt, um die Ergebnisse abschließend zu diskutieren und zu Papier zu bringen. Geplant sind 3-4 eintägige Arbeitstreffen bis 2015.Der Druck der Broschüre wird 2015 über die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) bzw. die entsprechenden Fachgesellschaften, ggf. zusammen mit einem medizinischen Fachbuch- verlag erfolgen.

    Das Projekt wurde im Juni 2014 mit dem FamSurg Sonderpreis ausgezeichnet. (www.famsurg.de)

Kontakt:
Dr. med. Maya Niethard
Leiterin Sektion Familie und Beruf Ausschuss Junges Forum der DGOU Norwegerstr. 6
D-10439 Berlin
Mail: familie@jf-ou.de