Der orthopädische Patient: auch in der Inneren Medizin zu finden

16.03.2018

dav

Orthopädisch-unfallchirurgische Patienten findet man nicht nur in der Orthopädie/Chirurgie. Während meines PJ Tertials in der Innere Medizin in einem großen bayerischen Kreiskrankenhaus war Herr E. Patient auf unserer nephrologischen Station. Der Patient wurde uns aus einem kleinen peripheren Haus zu verlegt. Dort hatte der ca. 55 jährige Patient zwei Tage zuvor eine Hüftendoprothese erhalten. Bei steigenden Retentionsparametern wurde der Patient telefonisch in unserer Abteilung angemeldet und im Verlauf stationär aufgenommen. Eine IgA-Nephritis war bei dem Patienten seit ca. 10 Jahren vorbekannt. Aktuell war sein Kreatininwert in kurzer Zeit von 4,0 mg/dl (Vorwert aus dem Oktober 2017) auf 6,6 mg/dl gestiegen. Des Weiteren betrug die GFR nur noch 9 ml/min/1,73m2 und der Patient beklagte eine Gewichtszunahme von ca. 7kg im Vergleich zum Gewicht vor der OP. Zur weiteren Diagnostik erfolgte die umfangreiche Bestimmung von Laborparametern (Urin, ANA, ANCA, etc), zudem wurden sowohl eine Sonographie der Nieren und eine Echokardiographie durchgeführt. Hierin zeigte sich eine mittelgradige linksventrikuläre Hypertrophie bei normaler Pumpfunktion (EF 62%) ohne regionale Wandbewegungsstörungen sowie eine hochgradige pulmonal-arterielle Hypertonie. Die nephrologische Sonographie bestätigte unauffällige Nieren beidseits mit leicht unregelmäßiger Oberfläche und echovermehrtem Parenchym. Wir stellten die Diagnose einer akuten Nierenschädigung, a.e. bedingt durch die Gabe von  NSAR und  V.a. Hypotonie während der Operation.

Es erfolgte die internistische sowie die konsiliarisch eingebundene unfallchirurgische Versorgung des Patienten. Die analgetische Therapie wurde auf Novalgin umgestellt, Ramipril wurde pausiert und mit zusätzlichen blutdrucksenkenden Medikamenten wie Nitrendipin und Nepresol  wurde begonnen. Zudem wurde die Torasemiddosis erhöht. Parallel erfolgten im Rahmen der unfallchirurgische Mitbetreuung das postoperative Kontrollröntgen und regelmäßige Wundkontrollen.

Mit Hilfe der Physiotherapie konnte der Patient rasch mobilisiert werden. Im kurzfristigen Verlauf verbesserten sich die Retentionsparameter des Patienten und die Ödeme zeigten sich rückläufig, was zu einer Gewichtsreduktion führte. Entsprechend erfolgte keine Nierenbiopsie, da sich die Verdachtsdiagnose bestätigte.

Natürlich ist eine weitere ambulante nephrologische Anbindung des Patienten  notwendig, aber eine Dialysetherapie konnte vorerst abgewendet werden. So konnte der Patienten nach 1 Woche in die stationäre Anschlussheilbehandlung verlegt werden.

Mir ist dieser Fall besonders in Erinnerung geblieben, da er gut zeigt, dass man auch bei elektiven Routineeingriffen durch Vorerkrankungen der oft älteren Patienten, mit einer Vielzahl an Komplikationen konfrontiert werden kann. Für meine weitere Laufbahn in OU habe ich mir mitgenommen, vor allem bei älteren Patienten im Rahmen der Aufnahme auf die Nierenwerte mit besonderer Vorsicht zu achten.