PJ Tertial in Bonn – das volle Spektrum O&U

30.06.2017

Dieses Mal berichtet Christian aus Bonn über 8 Monate PJ bei einem Maximalversorger: Das volle Spektrum der O&U:

Im Rahmen meines praktischen Jahres konnte ich mein Chirurgie-Tertial in der unfallchirurgischen Abteilung, sowie mein Wahltertial in der orthopädischen Abteilung der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Bonn ableisten. Somit erhielt ich die Gelegenheit volle 8 Monate in der Klinik zu verbringen und mich so in der Klinik einzuleben. Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie ist eine Klinik mit über 4000 stationären Fällen sowie über 28000 ambulanten Fällen pro Jahr. *.

Mit meinem ersten Tertial in der Unfallchirurgie begann ich im November 2016. Die Klinik sowie die Ärzte waren mir durch meine Doktorarbeit bereits bekannt, so dass ich direkt freundlich und kollegial in das Team integriert wurde. Alle Kollegen zeigten sich uns jungen angehenden Ärzten gegenüber sehr hilfsbereit und sorgten somit bei unserem Berufsstart für ein angenehmes Arbeitsklima, in dem man sich wohl fühlte und jederzeit bei Rückfragen und neuen Tätigkeiten freundlich angeleitet wurde. Nach 5 Jahren Studium war ich zu Beginn des Tertials froh, das Gelernte nun endlich in die Praxis umsetzen zu können.

Mein praktisches Jahr begann zunächst mit einer Einführungswoche, in der wir neuen PJler nützliche Inhalte über den ärztlichen Beruf vermittelt bekamen, wie zum Beispiel der Umgang mit dem KAS-Computersystem, den korrekten Aufbau von Arztbriefen, juristische Belehrungen über die medicolegalen Grenzen der Tätigkeit als PJler bis hin zum Aufbau der Rentenversorge durch das Versorgungswerk der Ärzte.

Nach dieser Einführungswoche, die ich mit allen Pj-lern der Uniklinik zusammen verbrachte, wurden wir nun in die einzelnen Kliniken entsendet um unser PJ zu beginnen.

An unserem ersten Tag im chirurgischen Tertial, zu dem mein Tertial in der Unfallchirurgie zählte, wurden alle chirurgischen PJ-ler zunächst von dem zuständigen Arzt begrüßt und gleichmäßig auf die unterschiedlichen Abteilungen der chirurgischen Klinik, sowie in die unfallchirurgische Klinik aufgeteilt. Dabei konnte jeder einzelne einen Wunsch äußern, in welche Klinik er gerne gehen würde. Dieser Wunsch wurde soweit möglich – was bei allen Studenten der Fall war- berücksichtigt, so dass man sowohl 4 Monate in einer oder je 2 Monate in verschiedenen Abteilungen absolvieren konnte. Ich entschied mich dafür, die komplette Zeit in der in der Unfallchirurgie zu verbleiben, da mir die Klinik bereits bekannt war und mein Interesse sowie meine beruflichen Pläne auch in der Unfallchirurgie lagen. Im Anschluss wurden wir den unfallchirurgischen Stationen zugeteilt. Da durch das antizyklische Studieren im PJ noch Studenten vom vorherigen Semester auf Station waren, wurde der Einstieg in der ersten Woche erleichtert, da man die Abläufe von den anderen PJlern gezeigt bekam. Durch meine Doktorarbeit kannte schon einige Assistenten und konnte mein Tertial auf meiner Wunschstation Böhler beginnen. Station Böhler ist die allgemeine unfallchirurgische Station, auf der sich die gesamte Bandbreite an Patienten vom polytraumatisierten Patienten bis hin zur einfachen Radiusfraktur wiederfindet. Somit war sie ideal um das gesamte Spektrum der Unfallchirurgie kennen zu lernen.

Der allgemeine Ablauf des Tages begann um 07:00 mit der Visite. Diese wurde bis 07:30Uhr durchgeführt. Im Anschluss daran fand die Frühbesprechung statt, in der die Aufnahmen des letzten Tages sowie der Nacht vorgestellt wurden, sowie der OP-Plan des aktuellen Tages besprochen wurde.

Je nach Einteilung und Bedarf konnten wir PJler nun die Visite weiter mitmachen oder am aktuellen OP-Programm teilnehmen. In der Regel konnten wir PJler dies unter uns aufteilen, je nachdem, wo unsere Präferenzen am jeweiligen Tag lagen.

Operativ wurde von unserer Klinik das gesamte Spektrum der Unfallchirurgie behandelt. Neben polytraumatisierten Patienten mit komplizierten Frakturen der langen Röhrenknochen, des Beckens oder der Wirbelsäule, die beispielsweise mittels Frakturprothesen oder Plattenosteosynthesen versorgt wurden, wurden auch handchirurgische sowie plastisch-rekonstruktive Eingriffe in der unfallchirurgischen Abteilung durchgeführt. Hierbei erlernte man bei der Assistenz der Operationen die unfallchirurgischen Grundprinzipien verstehen lernen und bekam die notwendigen Fertigkeiten beim Assistieren beigebracht, sowie erlernte alle notwendigen Nahttechniken. Unter Anleitung des Professors durfte man auch eine Metallentfernung selbst machen oder die Wunde nähen.

Nahm man nicht am Operationsprogramm des Tages teil, beendete man mit den Kollegen zusammen die Visite und widmete sich der Stationsarbeit, die darin bestand, selbstständig die Arztbriefe vorzubereiten, die Blutabnahmen zu übernehmen, Braunülen zu legen, Konsilanforderungen zu stellen und Patienten körperlich zu untersuchen, sowie neue Patienten aufzunehmen und deren Anamnese zu erheben. War dieser Teil der Stationsarbeit zusammen mit den Kollegen bewältigt, konnte man sich für den Rest des Vormittages in die Sprechstunden aufteilen. Neben der allgemeinen unfallchirurgischen Sprechstunde konnte man auch in die BG-Sprechstunde, die Handsprechstunde oder die Privatsprechstunde reinschnuppern. Hierbei durfte man selbstständig die Patienten untersuchen und dem zuständigen Arzt vorstellen und ein Weiterbehandlungskonzept mitentwickeln. Dies bietete die ideale Gelegenheit die theoretischen Inhalte und Untersuchungstechniken, die man während des Studiums erlernt hatte, in der Praxis anzuwenden und zu vertiefen. Außerdem konnten man die Sprechstunden auch nutzen, um Patienten einer Studie nach zu untersuchen, falls man ebenfalls wissenschaftlich in der Klinik tätig war. Neben diesen Sprechstunden bekam man ebenfalls die Chance, im Notfallzentrum mitzuarbeiten. Als Zentrum der Maximalversorgung, bekam man dort auch alle schwerwiegenden Krankheitsbilder der Unfallchirurgie wie beispielsweise Verkehrs- und Arbeitsunfälle im Schockraum zu sehen und erlernte dort das für die spätere berufliche Zukunft wichtige Schockraummanagement kennen. Dort durfte man unter Anleitung der Ärzte auch beispielsweise Platzwunden selbst nähen. Auf freiwilliger Basis konnte man auch einen 24h Dienst mitmachen. Im Gegenzug hierfür konnte man sich dann einen Tag der Wahl freinehmen.

Nachdem die Sprechstunden und das operative Tagesprogramm beendet waren, trafen wir uns noch einmal um 15:30 zur Nachmittagsbesprechung. In dieser wurden die Röntgenbilder der Vortage besprochen, sowie der OP-Plan des Folgetages. Nach der Besprechung trafen wir uns noch einmal auf Station, um noch anstehende Arbeiten auf Station zu beenden. Für uns PJler war nach der Nachmittagsbesprechung der Arbeitstag jedoch beendet.

Mein zweites Tertial absolvierte ich ab März in derselben Klinik, jedoch nun in der orthopädischen Abteilung als Wahltertial. In diesem Tertial erhielt ich die Chance im Privatteam von Prof. Wirtz mitzuarbeiten. Das Privatteam behandelte alle orthopädischen Krankheitsbilder von der endoprothetischen Versorgung über Wirbelsäulenchirurgie bis hin zur Fußchirurgie oder Kinderorthopädie. Mein Tagesablauf änderte sich nicht, da ich in derselben Klinik blieb. Ich nahm morgens um 07:00 an der Chefarztvisite teil und durfte nach der Frühbesprechung bei den Operationen von Prof. Wirtz mitarbeiten. In diesen erklärte der Professor persönlich nun ausführlich das operative Vorgehen und man erhielt Gelegenheit selbst Fragen zu stellen. An das operative Programm am Vormittag schloss sich ab mittags die Privatsprechstunde an, an der ich teilnehmen durfte. In dieser bekam man nun die Gelegenheit, die Patienten zu untersuchen, die vorliegende Bildgebung auszuwerten und das Ergebnis dieser Untersuchung dem Professor anschließend vorzustellen. Unter Anleitung des Professors durfte man auch Gelenke selbst punktieren oder selbst Ultraschalluntersuchungen der Gelenke durchführen. Während der Sprechstunde bekam man somit alle Untersuchungstechniken der Orthopädie sowie alle Behandlungsstrategien gezeigt. Diese individuelle Betreuung ermöglichte es spezifisch Lerninhalte zu vertiefen, die einem noch unklar waren. An die Privatsprechstunde schloss sich nun die Post-Op-Visite an sowie die Nachmittagsbesprechung, nach der dann für die PJler der Arbeitstag beendet war.

Abschließend kann ich sagen, dass ich beide Tertiale in der Unfallchirurgie sowie in der Orthopädie an der Universitätsklinik Bonn sehr genossen habe und sehr weiterempfehlen kann. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich erhielt ausreichend Gelegenheit meine theoretischen Grundlagen in die Praxis umzusetzen, sowie neue praktische Tätigkeiten im Arbeitsalltag zu erlernen. Insgesamt haben mich diese beiden Tertiale darin bestärkt, die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu beginnen.

* Jahresbericht 2016 der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.