PJ Tertial in der CUOP Göttingen

30.04.2017

Starten wird für den Monat April eine unserer Dienstältesten, Luisa aus Göttingen, die über ihr Tertial in der Abteilung für Unfallchirurgie, Orthopädie und plastische Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen von November 2016 bis März 2017 berichten wird:

Mein Tertial in der CUOP in Göttingen – so lautet die neue Abkürzung der Abteilung – begann im November 2016. Richtig motiviert war ich so direkt nach dem Examen ehrlicherweise nicht und was man von anderen PJlern bisher über die Abteilung vernommen hatte, war auch eher das, was ich aus den Famulaturen schon kannte: im OP Haken halten, auf Station Blut abnehmen und Braunülen legen, vielleicht mal einen Reha-Antrag schreiben oder mit in die Sprechstunde, aber theoretisch könne man auch früh gehen, wenn man möchte. Nach 5 Jahren langer Theorie und 2 Famulaturen in der Orthopädie und Unfallchirurgie wollte ich aber nun endlich wissen, ob es die richtige Fachrichtung für mich ist und ich auch nach 4 Monaten noch Freude an der Arbeit haben werde, denn das war bis dahin der medizinische Zweig, welcher mir am meisten zugesagt hatte.

Ich erhoffte mir, die Antwort nach dem Tertial gefunden zu haben und startete ein bisschen aufgeregt in meinen ersten Tag.

An diesem wurden alle chirurgischen PJler zunächst von dem zuständigen Oberarzt in Empfang genommen und gleichmäßig auf die unterschiedlichen Abteilungen aufgeteilt. Dabei wurde versucht, die Wünsche jedes Einzelnen zu berücksichtigen, sodass man sowohl 4 Monate in einer oder je 2 Monate in verschiedenen Abteilungen absolvieren konnte. Ich entschied mich dafür, die komplette Zeit in der CUOP ableisten zu wollen, um mehr über die Abläufe und allgemein über O und U lernen zu können. Im Anschluss wurden wir den orthopädisch/ unfallchirurgischen Stationen zugeteilt. Durch die relativ hohe Gesamtanzahl von Studierenden, zum Teil noch aus dem vorherigen Semester und zum Teil mit mir beginnend, wurden die einzelnen Stationen fast alle doppelt besetzt, was den Einstieg in der ersten Woche erleichterte. Durch das Engagement bei den YOUngsters kannte ich von Kongressen und anderen Veranstaltungen schon einige Assistenten und hatte mir im Voraus ein paar Tipps geholt, welche Stationen zu empfehlen wären, sodass ich schlussendlich der Station 5014, der Privat- und BG-Station und gleichzeitig meiner Wunschstation, zugewiesen wurde.

Im Allgemeinen war der Ablauf eines Tages wie folgt: Abhängig von der Station begann die Visite ungefähr gegen 7 Uhr. Es war aber auch nicht weiter schlimm, wenn man diese mal verpasste und erst um 07:30 Uhr zur Frühbesprechung da war, in der die Röntgenbilder des Vortages besprochen wurden. Je nach Einteilung der Ärzte und des OP-Plans ging dann entweder die Visite weiter, die Stationsärzte gingen in die Sprechstunde, in den OP oder die Notaufnahme. Wir PJler trafen uns, mit Ausnahme von Dienstag und Donnerstag – da fand von 08:15-09:00 Uhr immer die allgemeine, chirurgische PJ-Fortbildung statt – direkt nach der Besprechung zum OPs einteilen. Leider musste dies immer ziemlich kurzfristig erfolgen, da der Plan oft am Abend noch geändert wurde und es durch personelle oder notfallmäßige Zwischenfälle selten passierte, dass das OP-Programm so ablief, wie am Vortag geplant. Je nach Aufteilung untereinander ging es dann direkt in die erste Operation oder auf die eigene Station. Hier war es uns dann frei gestellt, ob wir die Visite mitmachen, mit untersuchen und dokumentieren oder eher mit den Blutentnahmen und Braunülen fertig werden wollten. Gewünscht war nur, dass die Blutentnahmen bis zum Mittag soweit alle gemacht waren. Bei geringer PJler-Besetzung und hohem OP-Aufkommen kam es auch ab und zu mal vor, dass man am Vormittag mehrere Stationen abdecken musste, an anderen Tagen stand man dafür 8 Stunden im OP und auf der eigenen Station wurde ausgeholfen, was immer sehr gut Hand in Hand lief. Für solch Fälle und für weitere Absprachen im Tagesverlauf hatten die meisten PJler einen Pieper und konnten so, aber auch innerhalb einer WhatsApp-Gruppe, kommunizieren, was noch zu tun war und welche Operation zum Beispiel verschoben, früher stattfinden oder ausfallen würde. Sobald Station und OP versorgt waren oder nach Absprache, hatte man die Möglichkeit mit in die Sprechstunden zu gehen oder in der Notfallaufnahme auszuhelfen. Als besonders interessant empfand ich dabei die speziellen Sprechstunden zu Polytrauma und Kinderorthopädie sowie die Schockraum-Situationen, die man natürlich häufiger in den Diensten zu sehen bekam. Diese konnte man freiwillig nach regulärem Dienstschluss oder am Wochenende ableisten und erntete neben einem kompensatorischen, freien Tag – für einen Dienst Samstag oder Sonntag sogar zwei freie Tage – auch die Dankbarkeit der Ärzte, wenn die Notaufnahme aus allen Nähten zu platzen drohte oder man dem Diensthabenden akut Aufgaben auf Station abnehmen konnte.

Operativ sah man das gesamte unfallchirurgische und orthopädische Spektrum einer Universitätsklinik. Von kleineren Hand – oder Fußfrakturen bis hin zu komplizierten Frakturen der langen Röhrenknochen oder des Beckens, Polytraumapatienten mit einzeitiger und gleichzeitig mehrzeitiger Versorgung multipelster Frakturen, aber auch minimalinvasive oder wirbelsäulenchirurgische Eingriffe, Endoprothetik sowie komplexe kinderorthopädische und plastische Operationen. Auch wenn beispielsweise die plastischen Chirurgen oder Kinderorthopäden eher weniger studentische Assistenz benötigten oder eigene Famulanten oder Blockpraktikanten hatten, durfte man sich aber in jedem Fall alles anschauen. Es stand immer im Vordergrund, dass der Studierende etwas lernen soll und das sehen sollte, was ihn interessiert und nicht primär „arbeiten“. Wenn man sich dann ein bisschen in die OP-Abläufe eingespielt hatte sowie Interesse bekundete und die Ärzte mit der Zeit feststellten, dass man sich nicht ganz ungeschickt anstellt, durfte man auch schon das ein oder andere Mal unter dem wachsamen Auge des Operateurs Materialentfernungen oder kleinere Osteosynthesen vornehmen und mit ganz viel Glück operierte man als Erstassistenz. Drainagenan- oder Hautnaht gehörten abhängig von Arzt, Pflege und dem eigenen Engagement dann häufig zum Standardprogramm des assistierenden PJlers, andersherum musste man sich aber auch manchmal auf spezielle Frage zum Operationsgebiet oder der Operation an sich einstellen, die am Anfang unangenehm, im Verlauf aber sehr lehr – und hilfreich waren.

Ähnlich lief die Arbeit auf der Notaufnahme und auf Station: wenn man motiviert war, konnte man sehr viel und selbständig arbeiten sowie lernen. Klinisch untersuchen und befunden, Wundversorgungen durchführen, Untersuchungen und Konsile anmelden, Arztbriefe diktieren und schreiben, Anordnungen nach Rücksprache mit den zuständigen Ärzten vornehmen, sogar die Visiten durfte man in Anwesenheit eines Stationsarztes eigenständig durchführen.

Letztlich ist es eigentlich jedem selbst überlassen, wie er oder sie die Zeit in der Unfallchirurgie in Göttingen für sich nutzt. Wenn alle Aufgaben soweit erledigt sind, ist es einerseits möglich, sich auf der Station zu beschäftigen oder zu entspannen, in die Bibliothek zu gehen, an der Doktorarbeit weiter zu arbeiten oder auch mal früh Feierabend zu machen, andererseits kann aber auch viel in dieser Abteilung lernen, sehen und machen. Insgesamt war die Stimmung im Team sehr aufgeschlossen und freundlich und ich kam mit Ärzten und Pflege immer gut zurecht, was den Vorteil hatte, dass bei Fragen und Problemen jederzeit ein Ansprechpartner zugegen war – nicht nur ärztlicherseits. Bei dem hohen Arbeitspensum, das zeitweise an einer Universitätsklinik herrscht, waren alle Beteiligten – ob auf Station, im OP oder der Notaufnahme – dankbar für jede helfende Hand und zeigten sich im Gegenzug dann auch offen, hilfs – und lehrbereit. Abschließend kann ich sagen, dass ich ein Tertial in der CUOP der UMG sehr weiterempfehle, es mir sehr viel Spaß gemacht hat und auch Kommilitonen, welche sich den chirurgischen Fächern gegenüber eher abgeneigt zeigten, fühlten sich in der Abteilung wohl und sprachen insgesamt sehr positiv über die Zeit dort. Weiterhin hatte ich nun auch meine Antwort, dass ich nach der Approbation die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie beginnen möchte.